Typische Fehler, die deine Betreuung immer wieder nerven ;)

Typische Fehler, die deine Betreuung immer wieder nerven 😉

Mal ein provokativer Titel, der aber natürlich ausschließlich hilfreich gemeint ist. Ich glaube fest daran, dass Menschen nach den besten Möglichkeiten handeln, die sie im Moment für sich sehen. Wenn deine Betreuung von deinem Verhalten genervt ist, wusstest du wahrscheinlich einfach gerade keine bessere Alternative. Unter uns gesagt: Ich habe selbst bei meinen eigenen Abschlussarbeiten auch nicht alle Fehler ausgelassen. Im Folgenden habe ich für 6 typische Fehler zusammengetragen, was du stattdessen tun kannst.

1. Sich nie melden und Betreuungsangebote nicht nutzen

Wenn es die Möglichkeit gibt, ein Exposé, eine Gliederung oder sogar eine erste Version einzureichen, Fragen zu stellen oder in die Sprechstunde zu kommen, nutze sie! Ich habe sehr selten erlebt, dass eine Abschlussarbeit, über die ich als Betreuerin bis auf die Themenstellung quasi gar nichts wusste, am Ende gut war. Die Regel sind eher ärgerliche Fehler, die sich durch ein Minimum an Kommunikation hätten vermeiden lassen. Vielleicht hast Du Angst, eine blöde Frage zu stellen oder dich mit deinem Exposé oder deiner Gliederung zu blamieren. Fragen, zu denen du selbst schon recherchiert und Überlegungen angestellt hast, sind in der Regel nicht blöd, sondern wichtig. Und alle Fehler, die du z. B. im Exposé machst, kannst du in der Arbeit vermeiden. Ich habe rund 50 Abschlussarbeiten betreut und noch nie ein perfektes Exposé gesehen. Manche Exposés sind richtig gut, andere haben sehr viel Überarbeitungsbedarf. In dem Fall ist es aber nicht schlecht, sondern sehr gut, dass das Exposé eingereicht wurde. Nur so kann man nämlich gemeinsam schauen, welche Baustellen es gibt und wie du diese beackern kannst.

2. Fragen stellen ohne eigene Recherche oder Überlegungen

Wenn Du eine Frage hast, schau erstmal, ob es (je nach Thema) auf der Website deiner Betreuung, des Lehrstuhls, des Instituts, des Prüfungsamtes oder deines Studiengangs eine Info dazu gibt. Gerade in Punkto Formalia, Abgabemodalitäten usw. findest du dort häufig schon eine Antwort auf deine Frage. Auch die Verwendung einer Suchmaschine soll bei manchen Fragen schon geholfen haben, selbst eine Antwort zu finden. Wenn die Antworten, die du im Netzt findest, nicht eindeutig sind oder für deinen speziellen Fall nicht passen, lasse deine Betreuung wissen, was du bereits selbst in Erfahrung gebracht hat und warum trotzdem noch Unklarheit besteht.

Bei inhaltlichen Fragen gilt genauso: Mache dich zuerst selbst schlau (Fachliteratur!) und überlege dir 2-3 Alternativen, wie du vorgehen könntest. Dann kannst du diese deiner Betreuung vorstellen und um Unterstützung bei der Abwägung bitten.

3. Plagiat

Ja, Plagiat oder plagiatsähnliche Grenzfälle sind nicht nur für dich, sondern tatsächlich auch für deine Betreuung eine Strafe. Denn die muss dann haarklein dokumentieren, welche Übereinstimmungen es gibt und eben auch entscheiden, ob hier nur sehr unsauber gearbeitet wurde oder ob auch ein Täuschungsversuch anzunehmen ist. Und ggf. fühlt man sich auch ein bisschen veräppelt und frustriert. Tipps, wie du Plagiat vermeiden kannst, findest du übrigens in meinem Blogartikel Plagiat vermeiden.

4. Bei der Begutachtung drängeln oder die Betreuung unter Druck setzen

Es kann gut sein, dass du deine Note zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigst, z. B. für eine Bewerbung, die Einschreibung für einen weiterführenden Studiengang oder die Einhaltung der Regelstudienzeit. Wenn das der Fall ist, weise deine Betreuung frühzeitig darauf hin und frage, ob das mit deinem geplanten Abgabezeitpunkt möglich ist. Mit ein bisschen Vorlauf kann deine Betreuung deinen Wunsch oft berücksichtigen. Wenn du zwar keinen konkreten Termin hast, aber trotzdem gerne wüsstest, wann du mit der Begutachtung rechnen kannst (und dazu online keine Info gefunden hast), kannst du natürlich freundlich nachfragen, wie lange die Begutachtung üblicherweise dauert. Und wenn dieser Zeitraum überschritten ist, darfst du natürlich auch nachhaken (Tipp: freundlich bleiben, auch wenn die Verzögerung ärgerlich ist).

Nicht schön ist es, erst wenige Tage vor einer Deadline in forderndem Tonfall darauf hinzuweisen. So kurzfristig kann deine Betreuung vielleicht gar nicht mehr umplanen. Auch nach einer vorläufigen Noteneinschätzung gefragt zu werden, ist für die Betreuung nicht angenehm. Meist ist es gar nicht erlaubt, vor der Gutachtenerstellung eine Note zu kommunizieren und es macht aus meiner Sicht auch keinen Sinn. Im Begutachtungsprozess können ja immer noch weitere Fehler auffallen, die einen Einfluss auf die Note haben. Und wenn die Gutachten bereits fertiggestellt sind, werden sie in der Regel auch zügig an das Prüfungsamt weitergeleitet.

Für die Beantwortung von E-Mail gilt ähnliches. Du kannst am Anfang mal nachfragen, wie schnell du in der Regel mit einer Antwort rechnen kannst und diese Zeit (z. B. eine Woche) dann einkalkulieren. Bedenke auf jeden Fall, dass deine Betreuung auch ein Wochenende hat, vielleicht mal krank oder auf Konferenzen unterwegs ist oder nur eine Teilzeitstelle hat. Wenn du weißt, dass du einmal eine zügige Rückmeldung brauchst, spreche das vorher ab, z. B. “Bis wann muss ich Ihnen X schicken, wenn ich spätestens zu Termin Y eine Rückmeldung brauche?”. Das funktioniert für beide Seiten besser als montags zu schreiben: “Ich habe Ihnen am Freitag um 23:47 eine E-Mail geschickt und noch keine Antwort erhalten…”.

5. Unverständlich schreiben

Deine Betreuung kann am besten eine Rückmeldung geben oder deine fertige Arbeit begutachten, wenn sie versteht, was du meinst. Wenn das nicht der Fall ist, kann die Rückmeldung nur lauten „Hier verstehe ich nicht, was Sie sagen wollen.“ und die Begutachtung wird erheblich erschwert. Im Zweifel können nur solche Texte positiv bewertet werden, die man auch versteht. Für ein „möglicherweise könnte hier etwas richtiges gemeint sein“ gibt es leider keine Bonuspunkte. Wenn große Teile der Arbeit schwer nachvollziehbar sind, kann sich auch die Begutachtung verzögern. Denn wenn deine Betreuung sehr wohlwollend ist, liest sie manche Textstellen vielleicht auch mehrmals, in der Hoffnung sie doch noch zu entschlüsseln.

Versuche daher, möglichst konkret darzustellen, was du meinst. Übrigens auch dann, wenn du andere zitierst. Dann ist es trotzdem deine Aufgabe, darzulegen, was das Ganze mit deiner Argumentation zu tun hat. Und bleibe bei den Begriffen, die du in deiner Arbeit eingeführt hast. Wenn andere Autor_innen andere Begriffe verwenden, dann musst du das für die Lesenden „übersetzen“. Stelle dir beim Schreiben vor, einer fachfremden Person etwas zu erklären und verwende nur Fachausdrücke, die du vorher eingeführt hast. Beim Überarbeiten kannst du lange Sätze und Passivkonstruktionen eliminieren. Und lasse deine Texte unbedingt von jemandem gegenlesen. Du kannst dich z. B. mit anderen Studierenden zusammentun, die auch eine Abschlussarbeit schreiben. Dann könnt ihr euch gegenseitig Rückmeldung geben.

6. Rückmeldungen nicht umsetzen

Ärgerlich, wenn man als Betreuung viel Zeit aufgewendet hat, eine Rückmeldung zu geben oder etwas zu erklären und es dann leider nicht umgesetzt wird.

Es kann gut sein, dass du den Vorschlag deiner Betreuung nicht verstehst, nicht weißt, wie du etwas umsetzen sollst oder einfach anderer Meinung bist. Hake dann unbedingt nach! Wenn du nur brav nickst, geht deine Betreuung davon aus, dass du die Rückmeldung verstanden hast und umsetzen wirst. Falls dir deine Bedenken erst nach einem Gespräch in den Sinn kommen, ist das auch okay. Schreibe dann eine Mail, um abzuklären, ob du etwas richtig verstanden hast oder ob eine Alternative möglich ist, die dir sinnvoller erscheint.