Plagiat in der Abschlussarbeit vermeiden

Plagiat in der Abschlussarbeit vermeiden

Plagiat vermeiden

Fürchtest du die Plagiatsprüfung deiner Bachelor- oder Masterarbeit, weil du doch ohne böse Absicht irgendwo eine Quellenangabe vergessen oder eine Formulierung übernommen haben könntest? In diesem Artikel erfährst du, wie du Plagiat in deiner Abschlussarbeit vermeiden kannst. 

Ich bin keine Juristin, daher handelt es sich im Folgenden natürlich nicht um eine rechtliche Beratung, sondern um eine rein wissenschaftliche Perspektive.

Es soll auch nicht darum gehen, wie du plagiieren und das dann vertuschen kannst, sondern wirklich darum, wie du erreichen kannst, wissenschaftlich sauber mit Quellen umzugehen. Neben handfestem Plagiat gibt es sicherlich auch noch Graubereiche, die zwar nicht als Täuschungsversuch gelten, aber dennoch zu Punktabzügen bei der Bewertung führen können.

Was kannst du konkret tun, um einen korrekten Umgang mit Quellen sicherzustellen und wirklich eigenständig zu arbeiten?

1. Originalquellen lesen!

Diesen Tipp gebe ich auch bereits in meinem Blogartikel 4 Tipps für eine erfolgreiche Abschlussarbeit. Das liegt daran, dass dieser Hinweis so essentiell ist. Die meisten Plagiate stammen nicht aus wissenschaftlichen Originalquellen (das sind Quellen, in denen neue Theorien und Befunde erstmals veröffentlicht werden), sondern aus anderen Abschlussarbeiten, Hausarbeiten, Dissertationen, Lehrbüchern, Online-Artikeln (Yep, darunter tatsächlich auch Wikipedia – ich wage das kaum zu schreiben!) und sonstigen Sekundärquellen.

Eigentlich ist das auch nicht verwunderlich: In solchen Werken werden Befunde oft in zugänglicher Weise dargestellt. Wenn du ausschließlich solche Quellen liest, bleibt dein Themenverständnis aber relativ oberflächlich. Du hast dann kaum die Möglichkeit, zu einer eigenen Einschätzung und Einordnung zu kommen und auf dieser Basis eine wirklich eigenständige wissenschaftliche Arbeit zu erstellen, sondern kannst eigentlich nur der Argumentation aus der Sekundärquelle folgen. Du kannst dann zwar versuchen, in mühevoller Kleinarbeit Passagen umzuformulieren, in der Hoffnung, dass es dann kein Plagiat ist (das setzt natürlich voraus, dass du zumindest die Quellen korrekt angibst), aber gute wissenschaftliche Praxis ist das jedenfalls nicht und ich würde dir auch nicht dazu raten.

Nutze die Zeit lieber dazu, dich in die Originalquellen reinzufuchsen. Das ist anfangs aufwändig, wenn du darin kaum Übung hast. Mit der Zeit wird es leichter und es lohnt sich wirklich. Originalquellen befassen sich in der Regel nur mit einem kleinen Puzzlestück des Gesamtbildes zu einem Thema. Dadurch bist du gezwungen, mehrere Quellen einzubeziehen und die Puzzlestücke zu einer eigenen Argumentationslinie zusammenzufassen.

2. Gib alle verwendeten Quellen an!

Du sollst nicht das Rad neu erfinden, sondern auf den Befunden und Theorien aufbauen, die es bereits gibt. Diese kannst du neu beleuchten, kritisieren, gegenüberstellen und durch eigene Befunde und Analysen ergänzen. Mit Eigenleistung ist nicht gemeint, dass du bei Null anfangen und alles bisher Dagewesene ignorieren sollst. Selbst wenn du einen total innovativen neuen Ansatz verfolgst, solltest du anhand von Quellen darlegen, wie bisher mit dem Thema umgegangen wurde und warum das aus deiner Sicht unzureichend/fehlerhaft/einseitig… ist. Du solltest angeben, auf welche bisherige Forschung du dich beziehst, um die Leistung der anderen Forschenden zu würdigen und deine Argumentation zu untermauern und nachvollziehbar zu machen.

Es gibt auch Stellen, an denen man eine Literaturangabe explizit erwarten würde. Wenn du z. B. behauptest, dass Katzen ein besseres Gehör haben als Hunde (oder umgekehrt), dann solltest du dazu eine oder mehrere Quellen angeben, sofern diese Feststellung nicht ein Ergebnis deiner eigenen Analyse ist. Auch wenn du auf Theorien und Modelle von anderen Forschenden zurückgreifst, solltest du dazu eine Quelle angeben. Prüfe am Schluss nochmal, ob du auf alle verwendeten Quellen im Text hinweist und ob auch alle Quellen im Literaturverzeichnis enthalten sind.

3. Beschäftige dich mit der korrekten Zitierweise deines Fachbereichs!

Wenn wirklich eindeutig sein soll, wo in deinen Ausführungen du dich auf welche Quelle beziehst, ist es wichtig, dass du die Zitierregeln deines Fachbereichs kennst und korrekt anwendest. Das gilt übrigens auch dann, wenn du mit einem Literaturverwaltungsprogramm arbeitest. Du musst das Programm nämlich auf die richtige Weise „füttern“ und die ausgespuckten Quellenangaben überprüfen.

Wo eine Quellenangabe stehen soll und welche Angaben enthalten sein müssen, kann je nach Fach unterschiedlich sein. Das mag kleinlich erscheinen, ist aber wirklich essentiell. Bei der Begutachtung deiner Arbeit muss z. B. eindeutig ersichtlich sein, ob ein Sekundärzitat verwendet wurde, ob es sich um ein wörtliches Zitat handelt und um welche Art von Quelle es sich handelt. Wenn du dich nicht an die Zitierregeln hältst, kann das uneindeutig sein. Falls du früher mal etwas anderes studiert hast oder in einem interdisziplinären Studiengang unterwegs bist, kann es besonders herausfordernd sein, sich die ungewohnte Zitierweise anzueignen. Bitte tu es trotzdem!

4. Es geht um Argumente, nicht um Personen

Gib nicht nur die Schlussfolgerungen anderer Autor_innen wieder! Wenn jemand anderes etwas behauptet hat, ist das noch kein gutes Argument (auch nicht, wenn es sich um eine Koryphäe des Fachs handelt). Denn was ist dann, wenn jemand anderes das Gegenteil behauptet? Wer hat dann Recht? Schau dir an, wie andere zu ihren Schlussfolgerungen gekommen sind. Kannst du dir so vielleicht erklären, warum Artikel A und B zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Fasse nicht nur zusammen, was irgendwelche wichtigen Leute über ein Thema denken, sondern argumentiere, warum das aus deiner Sicht richtig ist oder eben auch nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen. Natürlich gibst du dazu dann die Quellen an, aus denen du deine Informationen beziehst.

5. Schreibe sprachlich aus einem Guss!

Oft gibt es in der Wissenschaft ein Begriffswirrwarr: Teilweise werden Begriffe in unterschiedlichen Publikationen unterschiedlich verwendet. Und zusätzlich gibt es oft noch eine alltagssprachliche Verwendung, die davon abweicht. Sind z. B. Stereotype und Vorurteile gleichbedeutend? Wie unterscheiden sich die Begriffe Homophobie, Homonegativität und Heterosexismus? Teilweise kommt das darauf an, wo man nachliest. Das kann nerven, denn du kannst dich nicht darauf verlassen, dass immer das Gleiche unter einem Begriff verstanden wird.

Keine gute Lösung ist es, die Begriffe unkommentiert und willkürlich abzuwechseln, je nach dem, auf welche Quelle du dich gerade beziehst. Besser ist es, wenn du selbst definierst, was du unter einem Begriff verstehst (und ggf. warum du dich für diesen Begriff entscheidest). Wenn es passt, dann kannst du dich dabei auch auf eine bestehende Definition beziehen (natürlich unter Angabe der Quelle). Aber bleibe dann bei diesem Begriff. Wenn du eine Studie beschreibst, in der das gemessen wurde, was du unter Homonegativität verstehst, dann bleibe bei diesem Begriff – auch wenn die Autor_innen einen anderen Begriff dafür verwenden. Wenn du zu nah an den in Quellen verwendeten Begriffen klebst, entsteht ein sprachlicher Flickenteppich, der das Lesen der Arbeit erschwert und die Gutachter_innen Verdacht schöpfen lässt, dass hier vielleicht nicht so eigenständig gearbeitet wurde. Beschäftige dich damit, was andere Autor_innen mit ihren Begriffen und Erklärungen genau meinen und gib das in deinen eigenen Worten wieder.

Sind diese Hinweise für dich hilfreich und umsetzbar? Gibt es Punkte, die noch unklar sind und zu denen du dir mal einen eigenen Blogbeitrag wünschst? Schreib mir dann gerne!

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